Wir machen uns Gedanken. Tagein, tagaus. Über uns selbst – im Spiegel der Wahrnehmung anderer oder vielmehr im Spiegel unserer eigenen Erwartung der Wahrnehmung anderer. Nicht wenige von uns sinnieren in Endlosschlaufen darüber, was Dritte hören, empfinden, denken könnten über das, was wir sagen, tun oder auch lassen. Wir haben den allgegenwärtigen Anspruch zu funktionieren, die »richtigen« Dinge zu sagen, zu tun, zu denken, zu fühlen.
Halten wir in still-bewussten Momenten kurz inne und fragen uns, was »richtig« eigentlich heisst und wer dessen Spielregeln wann, wie und mit welcher Entscheidungskompetenz festgelegt hat… was macht das mit uns?
Vor einigen Wochen las ich einen Satz, der aussagte, dass wir in der jeweils aktuellen Situation das tun, sagen, denken und fühlen, was wir in diesem Augenblick tun, sagen, denken und fühlen können. Nicht mehr und nicht weniger. Könnten wir in jenem Moment mehr oder schlicht ander(e)s tun, sagen, denken und fühlen – wir täten es.
Ich finde diese Sicht auf die Dinge, Menschen und Situationen unheimlich versöhnlich und versuche im Umgang mit anderen vermehrt im Bewusstsein und lernenden Verständnis darum zu leben. Wir alle tun, was wir können – egal, wie dies aussehen mag und ob es den Erwartungen von uns selbst oder anderen entspricht. Diesen Blickwinkel Tag für Tag auf Neue einzunehmen und festzuhalten, verändert die eigene Wahrnehmung spürbar. Es ist nicht dasselbe, ob ich davon ausgehe, dass eine Person, die beispielsweise ein Verhalten zeigt, das mich enttäuscht, irritiert oder gar wütend macht, schlicht nicht anders handeln wollte oder ob ich annehme, dass die Art und Weise wie sie gehandelt hat, ihren momentanen Möglichkeiten entspricht und sie womöglich anders (re-)agiert hätte, hätte sie es in diesem Augenblick gekonnt.
»Aber…« höre ich es in Gedanken an mein Ohr dringen. »Kommt eine derartige Denk- und Wahrnehmungsweise nicht einer Art Freibrief gleich, sich nicht mehr zusammenreissen zu müssen, nichts verbessern zu wollen und in der Folge alles damit zu entschuldigen, dass man nicht mehr geben, sich nicht anders verhalten konnte?«
Vielleicht. Für manche. Womöglich nicht. Für andere. Ich für meinen Teil glaube daran, dass meine subjektive Interpretation der Absicht anderer in vielen Fällen eine grössere Rolle spielt, als die Absicht an sich in Tat und Wahrheit aussehen mag. Ich glaube daran, dass alleine auf diesem Planeten Milliarden von Welten existieren, in denen Milliarden von Menschen leben und die meisten Dinge genauso und nicht anders sind, wie wir sie für uns selbst interpretieren.
Wir tun, denken, sagen und fühlen, was wir hier und heute tun, denken, sagen und fühlen können. Nicht mehr, nicht weniger, nicht anders. Und womöglich ist genau das für den Moment (gut) genug.
Kommentare
Michael
Diese Worte sind mehr als ein Text, sie sind ein Heilmittel: eine wohltuende Dosis des zuversichtlichen Vertrauens, das wir einander schenken dürfen. Danke!
Emma denkt.
to Michael
Lieber Michael, ich danke dir ganz herzlich für deine Zeilen. Sie gehen mir nah.
Sarah
Sehr schöne Sichtweise
Emma denkt.
to Sarah
Herzlichen Dank, liebe Sarah.
Nela
to Sarah
Der Moment wenn ich von Ihnen lese...ich fühle.. .. mehrere ja's... Freude.. und ein Juuuhuuu. .. Danke für diesen schönen Blickwinkel! Schön das Sie da sind! Herzliche Grüße Nela
Emma denkt.
to Nela
Liebe Nela, Ihre Zeilen freuen mich so! Ein herzliches Dankeschön dafür und für Ihr Hiersein. Ich sende Ihnen liebe Grüsse zurück.
einfach_nur_ada
Deine Zeilen kommen genau im passenden Moment, wo ich mich in eben solcher Endlosschleife befinde... Ein wunderbarer Denkansatz und mir womöglich eine Hilfe, liebe Michèle und einmal mehr danke ich Dir von Herzen und sende Dir ganz liebe Grüße. ♥️
Emma denkt.
to einfach_nur_ada
Es würde mich so sehr freuen, liebe Ada, wenn dir der ein oder andere Gedanke tatsächlich eine kleine Unterstützung sein könnte. Fühl dich in Gedanken umarmt.
Franzi Waldner Stattstadtmädchen
Die richtige innere und äußere Versöhnung, sanft aber bestimmt auf den Punkt gebracht. Danke ❤️
Emma denkt.
to Franzi Waldner Stattstadtmädchen
Ich danke dir, liebe Franzi. Fürs Lesen, fürs Fühlen, für deine Worte.
Anna
Eine schöne Sicht der Dinge.
Emma denkt.
to Anna
Vielen Dank fürs Lesen und für dein Kompliment zum Text, liebe Anna.