Im Nachhinein werde ich erzählen, dass wir uns nie gut verstanden haben. Niemand der uns beide kennt, wird das infrage stellen. Was ich eigentlich meine: wir haben uns nie die Mühe gemacht, einander wirklich kennen zu lernen. Natürlich war da immer ein Bild vom jeweils anderen, aber es blieb ähnlich vage wie meine Vorstellung davon, was es bedeutet, das eigene Potenzial voll auszuschöpfen, Grenzen zu setzen oder einfach man selbst zu sein.
Ich habe nichts gegen gedankliche Bilder. Ich klammere mich an ihnen fest, wann immer mir mal wieder alles abhanden zu kommen scheint, was mich ausmacht. Ich mag es, dass mir andere Menschen realer vorkommen, als ich mich die meiste Zeit über fühle, dass ihre Konturen nicht verschwimmen, sondern klar als solche erkennbar sind. Es hat etwas Beruhigendes, wenn Gesichter und Geschichten wiederkehren – wie Jahreszeiten, bloss weniger verlässlich und auf unbestimmte Zeit.
In aller Regel bedeutet es mir etwas, nicht die Einzige zu sein, die sich erinnert. Gleichwohl bin ich mir bis heute nicht sicher, ob ich mit dir lieber Kreise schliessen oder neue öffnen will. Womöglich hätten wir uns besser verstanden, hätten wir uns die Mühe gemacht, aus erdachten Bildern etwas Echtes werden zu lassen. Vielleicht sogar richtig gut. Und vielleicht auch nicht. Die Ahnung, dass ich es nie herausfinden werde, hinterlässt mich seltsam ernüchtert.