Ich liege bäuchlings auf dem Fussboden, den Kopf auf meine vor mir zusammengefalteten Hände gestützt und frage mich, ob ich eigentlich Menschen kenne, die Bademäntel tragen. Ich frage mich vieles und noch mehr stelle ich mir vor. Einfach so, ins Blaue hinaus.
Ich habe früh bemerkt, dass das Schönste und Mächtigste, was ich besitze – und zugleich das, was mir meine Tage oft schwierig gestaltet – die unerschöpfliche Vorstellungskraft ist, die meinen Gedanken entspringt. Eine ganze Welt trage ich in meinem Kopf mit. Mindestens. In Wahrheit sind es eher zwei, drei, fünfzehn unterschiedliche Welten.
Man lernt zu funktionieren mit dem Gewicht, das man angesichts all jener imaginären Möglichkeiten auf den eigenen Schultern sitzen fühlt. Vordergründig zumindest, bis dahin wo die meisten Blicke gehen. Erfahrungsgemäss reichen nur wenige weiter – und einem hin und wieder mit einem wissenden Lächeln die Hand.
Es gibt Phasen, da kommt einem alles und jeder zu nah. Und dann wieder erreicht einen gefühlt kaum etwas. Es ist möglich, ausschliesslich in diesen beiden Extremen zu existieren, ohne Punkt und Komma von einer in die andere Ecke geworfen. Dazwischen ist zwar nicht nichts, aber man scheint irgendwie keinen Platz darin zu finden.
»Was bleibt?« frage ich mich und erschrecke, als ich merke, dass ich die Frage hörbar in Worte gekleidet und tatsächlich ausgesprochen habe, statt bloss in Gedanken formuliert. In Gedanken drehe und wende, zerpflücke und ordne ich alles, was mir nicht über die Lippen zu kommen vermag.
Ich verweile in erdachten Karussellfahrten durch deine und meine stets nur kurz geteilte Wirklichkeit. Es fühlt sich jeweils an wie eine unerwartete Atempause, die im ersten Moment nach Apfelkompott mit Zimt schmeckt, Augenblicke später aber bereits seltsam schal wird und im Nachhall des gegenseitigen Erkennens verblasst.
Dann frage ich mich jeweils, was das mit Sehnsucht zu tun hat. Oder dem Gegenteil davon. Was wir haben, scheint hin und wieder kaum eine Rolle zu spielen. Was wir damit machen, umso mehr. Ja, aber. Frag all deine »Abers« bei Gelegenheit, wovor sie sich eigentlich fürchten. Und ich frage meine, ob sie Bademäntel tragen.