Besser als nichts

Sag, wie viele Stunden hat der November für gewöhnlich? Ich habe das Gefühl, in diesem Jahr sind es ein paar mehr. Vielleicht aber auch weniger, ich bin mir nicht sicher. Wie viele davon wollen wir verstockt dasitzen und schweigen, müde den Kopf schütteln, uns unter muffigen Bettdecken vor dem Tagesanbruch verstecken? Wie viele abgestandene Stunden lang wollen wir nicht wissen wohin mit uns, seufzen, uns über dieses und jenes beschweren?

Du beklagst dich dieser Tage auffällig oft über die unerträgliche Fülle hier und da – an Möglichkeiten, Emotionen, unbeantworteten Fragen. Du hättest gerne ein bisschen mehr Zeit, nur für dich und mich. Ein bisschen Zeit für zwei, drei Leerschläge Pause zwischen dem sich Tag für Tag wiederholenden Stolpern, Hinfallen, Aufstehen und Weitermachen. Zeit um tief ein- und wieder auszuatmen und das Leben einfach mal setzen zu lassen.

Ich hingegen beanstande die Leere. Die vermeintliche Leere in Köpfen und zwischen Herzen, die am Ende vermutlich nichts anderes ist als Monotonie und Furcht. Nichts anderes als gähnende Langeweile angesichts einer wattegebauschten Gegenwart, die sich selbst zu vergessen droht, noch bevor sie entsteht und Angst vor dem, was Zukunft womöglich meint – o d e r v i e l l e i c h t j a a u c h n i c h t.

Dein nauseatisches Unwohlsein angesichts all der Fülle um dich herum und meine Abneigung gegen sowas wie Leere ergeben zusammen offenbar irgendetwas, was knapp über dem Nullpunkt liegt. Ein wenig mehr als nichts, auf keinen Fall zu viel.

Sag, wie viele Stunden hat der November für gewöhnlich? Ich habe das Gefühl, in diesem Jahr sind es ein paar mehr. Vielleicht aber auch weniger, ich bin mir nicht sicher. Wie viele es am Ende auch immer sein mögen, ich mag die Vorstellung, sie gemeinsam mit dir zu verbringen. Auch wenn wir nichts anderes tun als dazusitzen, zu schweigen, müde den Kopf zu schütteln, uns unter muffigen Bettdecken zu verstecken, nicht zu wissen wohin mit uns, zu seufzen und uns über dieses und jenes zu beschweren.

Das ist allemal besser als nichts.
Oder irgendetwas ohne dich.

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