Vielleicht sollte man mehr nachdenken, mehr sinnieren, mehr schreiben über alles, was wir nicht sagen. All jenes, was nie einen Weg nach draussen findet, eingeschlossen bleibt in geschwiegenen Sekunden, verpassten Antworten, wachen Nächten und unerwiderten Blicken.
Schweigen ist eine Sprache, der ich mächtig bin. Womöglich beherrsche sie zu gut. Denkt, fühlt und spricht man zu lange nur in einer, kann der Wechsel zu anderen Sprachen schwer fallen, selbst wenn man jene einst ebenfalls fliessend zu sprechen vermochte.
Was geschwiegen wird, hat keinen Anfang und kein Ende, keine endgültig beweisbare Existenz ausserhalb des eigenen Geistes. Gleichwohl scheint es nicht selten schwerer zu wiegen als alles Gesagte. Alles, was anderen im Vertrauen ins Ohr geflüstert, offen mitgeteilt oder laut zugerufen werden könnte.
Manchmal passt das, was am Ende des Tages übrig bleibt, in eine Lücke zwischen zwei geschriebenen Worten. Und dann wieder ist das eigene Dasein nicht zu wenig, sondern zu viel. Zu viel und zu chaotisch, um es nicht besser ungesagt bleiben zu lassen. Zu dicht und gleichwohl zu flüchtig, zu mehrdeutig und im selben Ausmass so auf den Punkt, dass es weh tut.
Wenig vermag so stumm in uns verschlossen zu werden und für immer zu bleiben wie Schmerz. Wie soll man auch etwas nach aussen hin kommunizieren, während man es sich selbst nicht erklären, es nirgendwo einordnen kann, ohne in sich zusammen zu fallen. Oder komplett auseinander.
Falsch verstanden werden kann man auch ohne Worte. Und so hebe ich sie mir auf. Am Ende ist es womöglich einerlei, was man tatsächlich ausspricht, was man lautlos mit den Lippen formt und was man sich selbst und anderen für immer verschweigt. Fühlen muss man eh alles. Auch die Stille. Vor allem
die Stille.
Und wenn man im Anschluss ans Fühlen auch noch darüber nachdenkt, sinniert und schreibt – über alles, was wir nicht zu sagen wagen – bin ich jedes Mal wieder auf’s Neue nicht sicher, ob man damit der Stille entfliehen oder ihr näher kommen will.
Comments
Dani
Manchmal ist Stille vielsagender und ausdrucksvoller als viele Worte. Wie schön, dass es Menschen gibt, die beides sprechen und verstehen können ❤️ Denn manchmal liegt gerade in dem, was unausgesprochen bleibt, eine ganz besondere Verbundenheit – vorausgesetzt, man versteht auch […] Read MoreManchmal ist Stille vielsagender und ausdrucksvoller als viele Worte. Wie schön, dass es Menschen gibt, die beides sprechen und verstehen können ❤️ Denn manchmal liegt gerade in dem, was unausgesprochen bleibt, eine ganz besondere Verbundenheit – vorausgesetzt, man versteht auch die Sprache der Stille. Alles eben zu seiner Zeit. Read Less